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Am 21. März eröffnete unser Heimatblatt, die Rheinische Post,
eine neue Front im Kampf gegen den einheimischen Terrorismus. Vorgeknüpft
hat sich die Vierte Gewalt als Zielgruppe die jungen Russlanddeutschen. Sie
seien sogar noch schlimmer als die jungen, waschechten Ausländer aus
der Türkei, gibt Reinhold Michels von der RP den Sprecher der Gewerkschaft
der Polizei, Rüdiger Holecek, wieder. Alles was man sich so an schlimmen
Taten und Verhaltensweisen vorstellen kann, haben die russischen Ganoven zu
bieten: "Abgeschottetes Leben in Ghettos ...; keine oder nur geringe
Deutschkenntnisse; ausgeprägtes Macho-Gehabe; hohe Gewaltbereitschaft;
Neigung zu Bandenbildung; hohe Anfälligkeit, schnell sogenannte harte
Drogen zu konsumieren; Verachtung für die liberale deutsche Polizei."
Gründe für das besondere Verhalten der Russlanddeutschen weiß
der Polizeisprecher auch zu nennen: "Oft seien die Jugendlichen von ihren
Eltern regelrecht zur Mitaussiedlung ins angeblich gelobte Land Deutschland
gelockt worden, wo die Enttäuschung natürlich auf dem Fuße
folgte."
Vom Glück, Deutscher zu sein
Kein besonders gutes aber ein ehrliches Zeugnis stellt so der Polizist seinem Heimatland aus. Deutscher zu sein bedeutet nicht immer ein besonderes Glück. Auch für die Mehrzahl der Eingeborenen heißt es, als Arbeitskraft jederzeit und zu jedem Preis für die Mehrwertproduktion des Kapitals bereit zu stehen. Besonders die Spätaussiedler und Russlanddeutschen haben mangels Sprachkenntnissen und fehlender, weil nicht anerkannter Qualifikationen oft Schwierigkeiten, einen Job zu bekommen, der die Familie einigermaßen ernähren kann. Dass unter diesen Umständen so mancher Jugendliche nicht die erwünschte Kurve kriegt, das wissen alle, die mit der entsprechenden Klientel zu tun hat.
Moderne Jugendpolitik
Nun könnte man annehmen, das Rezept gegen die Gewalt der Jungrussen/deutschen wäre die Verbesserung deren Lebenslage. Aber da haben sich die Zuwanderer wie auch wohlmeinende Sozialarbeiter verrechnet. Wohlverhalten und fit sein für den Arbeitsmarkt ist angesagt. Wer da nicht mitmachen will, dem wird die Stütze gekürzt oder gestrichen bzw. bekommt es mit der Staatsgewalt zu tun: "Die Polizeigewerkschaft tritt dafür ein, diesem Personenkreis, bei allem Verständnis für den guten Willen der Betreuer und Sozialarbeiter, stärker mit repressiven staatlichen Mitteln entgegenzutreten. Holecek: ‚Sie müssen Autorität spüren, wir brauchen deshalb rund um die Uhr eine stärkere Präsenz der Polizei auf den Straßen.' GDP-Vorsitzender Freiberg sagte in dem Zusammenhang, die Straßenkriminalität lasse sich weder mit gut gemeinten Programmen noch mit starken Sprüchen in den Griff bekommen."
Die Aktualität der Kampagne
Jugendliche in Klein- oder Großgruppen, die viel Unsinn anrichten,
hat es schon immer gegeben. Es ist nicht für jeden Jugendlichen einfach
zu begreifen, dass sein zukünftiges Leben sich den Zwängen des Kapitalismus
unterordnen soll. Vielmehr betrachtet er die vorgegeben Strukturen oft als
eine sich ihm bietende Chance, ein angenehmes Leben zu führen. Das muss
notwendig zum Konflikt führen.
Aber es geht Herrn Michels nicht darum, ein gesellschaftliches Phänomen,
das es immer schon gegeben hat, auszurotten. Vielmehr will er mit dem Bild
der marodierenden Jugendlichen in die aktuelle Zuwanderungsdebatte eingreifen.
In seinem Kommentar zum eigenen Bericht verrät er: "Es ist wichtiger
denn je, Zuwanderung sachlich zu organisieren und dabei diejenigen zu bevorzugen,
die bereit und fähig sind, sich zu integrieren."
Übrigens, so geht moderner Rassismus!
www.neusser-monat.de (22.3.2002)