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Moment Theater zeigt Sartres
"Geschlossene Gesellschaft"
Verquere Beziehungen
Bedrohlich wallen Nebelschwaden, als die verriegelte Tür endlich aufgeht. Doch obwohl Garcin, Inés und Estelle in eine höllisch quälende Situation geworfen worden sind, wählen sie nicht den Weg in die ungewisse Freiheit. Sie finden sich ab mit ihrer Beziehungshölle, in der Schwefel, Scheiterhaufen und Rost gar nicht nötig sind. Die Hölle, das sind nämlich für jeden der drei Eingesperrten die beiden andern.
Eine höllische Situation
Wir befinden uns im Kulturkeller an der Oberstraße in Neuss, wo uns
die Akteure, die unter dem Namen "Das einzig wahre Moment Theater"
firmieren, die Hölle nachempfinden lassen, indem sie Jean?Paul Sartres
"Geschlossene Gesellschaft" in der Inszenierung von Patrick Schad
auf die Bühne bringen. So werden wir ? wie die Protagonisten des Sartre?Stückes
- von einem mysteriösen Höllenkellner, den Jürgen Wagenbach
teuflisch gut mimt, hinab in das Kellergewölbe geführt. Dort vermittelt
uns das intensive Spiel von Birgit Meyer, Daisy Walzel und Michael Rogner
einen Eindruck davon, wie höllisch es ist, wenn man vertrackte, verquere,
vergiftete Beziehungen zu anderen hat. Garcin, dessen Zerknirschtheit Michael
Rogner überzeugend gibt, Inés, deren temperamentvolles Wesen Daisy
Walzel gekonnt darzustellen versteht, und Estelle, die Birgit Meyer mit eindrucksvoller
Mimik und schöner Stimme spielt, sind zwar wegen übler Taten wie
beispielsweise Kindesmord in die Hölle gekommen. Höllisch aber ist
ihre Situation deshalb, weil sie nicht selbstbestimmt leben, sondern vom Urteil
anderer sich abhängig machen. Estelles Lebensinhalt besteht darin, von
Männern gesagt zu bekommen, dass sie begehrenswert sei. Inés hingegen
möchte, dass Frauen sie attraktiver als Männer finden. Und Garcin
will hören, dass er kein Feigling sei. Bei dieser Konstellation muss
jeder von ihnen zum Folterknecht der beiden anderen werden: "Lieber hundert
Stiche, lieber Peitsche, Vitriol als dieses abstrakte Leiden."
Der Weg in die Freiheit
Leute, die derart fremdbestimmt leben, sind wie tot. So lautet die Botschaft des existenzialistischen Stückeschreibers Sartre. Dass es allerdings schwierig ist, von den gesellschaftlichen Normen sich nicht überwältigen zu lassen, wird sinnlich erfahrbar gemacht durch Patrick Schads Regieeinfall, den Weg in die Freiheit mittels Nebelschwaden schwer passierbar zu machen. Ob der starke Beifall des Premierenpublikums ausschließlich der soliden Darbietung des Moment Theaters oder auch der brisanten Thematik des Stückes galt, wissen wir nicht. Dem NGZ?Schreiber jedenfalls ist sie verborgen geblieben.
Franz Anger
Weitere Vorstellungen: 8., 9. und 22. März
Kartenvorbestellungen: 02131 / 409494
www.neusser-monat.de (20.2.2002)