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Weltweit protestieren viele Millionen Menschen gegen den US-Angriff auf
den Irak. Dabei vertreten sie leider:
Wenn die Träger der Macht Krieg ansagen, dann wächst der Wunsch
der Menschen nach Frieden. Kein Wunder wird mancher sagen, angesichts dessen,
was Krieg bedeutet:- Massenmord, Zerstörung von Lebensgrundlagen, Elend
und das Prinzip des Ganzen: die Herrschaft der größeren Gewalt.
Selbstverständlich ist diese Reaktion aber auch nicht! Es ist nämlich
nicht logisch, angesichts eines drohenden Krieges für den Frieden Partei
zu ergreifen, in dem all die Gründe für Krieg entstehen, vor dem
man sich dann fürchten muss. Wäre die Aussicht auf eine Phase der
offenen Barbarei der modernen Gesellschaft nicht eine gute Gelegenheit, sich
mit den Prinzipien des Friedens zu befassen, der unterbrochen werden soll,
um - im Sinn des Angreifers - zu einem besseren Frieden zu führen. Und
stimmt das nicht sogar? Endet nicht jeder Krieg mit einem Frieden? Ist Frieden
überhaupt etwas anderes als das Resultat des Kräftemessens im letzten
Krieg? Ein Resultat, das genau so lange hält, wie Sieger und Verlierer
die durch Krieg erreichte Verteilung von Macht und Ohnmacht akzeptieren?
Die Regierenden in den USA, in Europa und sonst wo verkünden und praktizieren
die traurige Wahrheit, dass Krieg Mittel der Politik ist, das entscheidende,
ultimative sogar. Eingepackt in die Floskel, dass Krieg das letzte Mittel
bleiben müsse und nicht zum nächsten besten gemacht werden dürfe,
verkünden gerade die regierenden Pazifisten in Deutschland diese Wahrheit
klarer als je zuvor. Deshalb halten sie sich ja auch im schönsten Frieden
eine Armee und rüsten ständig für den nächsten Krieg.
Ist es angemessen, solchen Klarstellungen mit dem frommen Wunsch entgegenzutreten,
Krieg dürfte eigentlich kein Mittel der Politik sein? Wäre es nicht
gescheiter, den offiziellen Klartext als Auskunft von berufender Seite darüber
zu nehmen, was Politik wirklich ist - wenn sie schon immer wieder militärische
Gewalt für ihren Fortgang braucht?
Friedensfreunde trennen in ihrer Einbildung, was sie gerade als zusammengehörig
erfahren; sie wollen von ihrem Gemeinwesen einfach nicht glauben, dass es
auf nichts als auf Gewalt beruht und Gewalt nach innen und außen zur
Erhaltung seiner Macht und zur Wahrung seiner Interessen braucht. Sie verschließen
die Augen vor der Unversöhnlichkeit dieser Interessen und der Feindseligkeit
der Nationen, die sie sehr wohl kennen. Diese Interessen halten Friedensfreunde
für unproblematisch, ja sie billigen sie, wenn sie für die eine
Variante der Außenpolitik, die friedlich- diplomatisch-ökonomische
Erpressung, und gegen die kriegerische Variante ihre Stimme erheben und bei
all dem nur eines wünschen: Die letzte Konsequenz ihrer kriegsträchtigen
Lebensweise, an der sie nichts Schlechtes finden, möge ihnen erspart
bleiben.
Es gibt Leute, die meinen, es sei schon egal, mit welchen - auch verkehrten
- Gründen Menschen gegen den Krieg aufstehen, Hauptsache, sie tun es.
Leider ist das nicht der Fall: Wer nämlich allen Ernstes die Regierenden
davon überzeugen will, dass Frieden die bessere Methode der Außenpolitik
ist und Krieg auch der Staatsräson nur Schaden bringt, der landet dabei,
dass er die Kriegszwecke teilt - und sie mit friedlichen Mitteln zu erreichen
verspricht: Friedensdemonstrationen treten in diesen Wochen dafür ein,
dass die Abrüstung des Irak auch auf friedliche Weise möglich ist
- als ob das jemals ihr Problem gewesen wäre, wenn Bush nicht seinen
Krieg angesagt hätte.
Sozialistische Gruppe, Nürnberg
www.neusser-monat.de
(3.3Antikriegsargumente.2003)