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Anfang April ließ die Werksleitung von Bayer-Dormagen lauthals verkünden:
„Das Bayerwerk Dormagen ist für die Zukunft gerüstet.“ Unter der
Schlagzeile „Investitions-Rekord bei Bayer ging die Erfolgsmeldung bei der
Westdeutschen Zeitung (WZ) am 1. April durch die Druckerpresse. Und das war
kein Aprilscherz, denn was die Firmenleitung als grandiose Leistung propagiert,
sieht für die Beschäftigten bei Bayer und seinen inzwischen vielen
Unterfirmen gar nicht rosig aus: Ein Sechstel der Stellen fällt bei der
Bayer-Faser GmbH weg. Erklärter Zweck: „Wir müssen die Effizienz
und Profitabilität steigern.“ So der Pressesprecher von Bayer Polymers
in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) v. 9.4.03 .
Nun kommt die nächste Hiobsbotschaft auf die bisher so gerühmte
„Bayer-Familie“ zu. Am 11.4. ließ der Bayer-Personalvorstand eine weitere
Katze aus dem Sack: Bis Ende 2005 steht ein Abbau von 12.000 Stellen weltweit
ins Haus. In der deutschen Bayer-AG werden ca. 5.500 Beschäftigte dran
glauben müssen. Für Dormagen werden 600 geschätzt. Und das
Schöne für die Beschäftigten bzw. die demnächst Geschassten:
Über dieses Entlassungspaket ist mit dem Gesamtbetriebsrat bereits Einigung
erzielt worden. Von wegen Betonköpfe! Auf die Argumente der Firmenleitung:
„...kommt es jetzt darauf an, die globale Wettbewerbsfähigkeit von Bayer
zu behaupten...“ und besonders lustig: „...Durch den Stellenabbau können
wir auch weiterhin vielen Menschen sichere Arbeitsplätze bieten.“ (beide
Zitate aus NGZ 11.4.03) kann ein gestandener Betriebsrat nur beifällig
nicken: „Das ist weitgehend normale Fluktuation.“, so der Dormagener BR-Vorsitzende
Karl-Josef Ellrich. Derart der Kapitalistenlogik verhaftet, braucht er sich
um seine Zukunft sicherlich keine Sorgen machen.
Die macht sich schon eher die Stadt Dormagen mit ihrem CDU-Bürgermeister
Hauschild: „Das ist ganz bitter für viele Dormagener Familien.“ Dass
er da in erster Linie an den Kaufkraftverlust denkt, ist nicht verwunderlich,
zumal das Bayerwerk Dormagen auch offen lässt, „wann wir wieder Gewerbesteuer
zahlen.“(WZ 1.4.03)
Das gesellschaftliche Desaster, das durch diese wirtschaftlichen Entscheidungen
ausgelöst wird, lässt nun auch den Dormagener NGZ-Reporter Chris
Stoffels nicht mehr ruhig schlafen. Der sonst jede kapitalistische Maßnahme
bisher begrüßt hat, bekommt nun weiche Knie: „Bayer heute ein x-beliebiger
Global-Player?“ fragt er ganz erschüttert. Nichts mehr mit Familien-Idylle.
Und so verabreicht er sich und seinen Lesern schon mal vorab ein paar „Kopfschmerztabletten“:
„Abschied vom ‚Alten Bayer‘“ , „Chemie war ein Stück Heimat“ und „Bayer
– ein verinnerlichtes Stück Lebensqualität“ – so sind seine „Pillen“
beschriftet. Kein Trost nirgends. Denn auch Bayer, so weiß Chris Stoffels,
spricht von sich als „The new Bayer“. Hoffentlich spricht sich dies auch bald
bei den Kollegen und im Betriebsrat von Bayer herum.
HPJ