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Es gibt ein neues Elaborat aus der Feder eines Kirchendieners aus Neuss:
Dr. Albert Wunsch, langjähriger Leiter des katholischen Jugendamtes Neuss
hat sich nach seinem Verkaufsrenner „Die Verwöhnungsfalle“ erneut demselben
Thema gewidmet: „Abschied von der Spaßpädagogik“, so der neue Titel,
erschienen im Kösel-Verlag.
Der junge Nachwuchs will nicht so wie sich das Albert Wunsch und Konsorten
wünschen. Und damit die Lektion aus der „Verwöhnungsfalle“ nicht
in Vergessenheit gerät, wird der gleiche Stoff noch einmal durchgenommen:
Schuld am ganzen Dilemma der verzogenen Brut seien die 68er mit ihrer 68er
Denke. A. Wunsch wird nicht müde, die Litanei von „Spaß-Pädagogik“,
Überversorgtheit statt ausbleibenden Mangelerfahrungen“, „Spaß
als Lebensziel“ und „Leben nach einem Mega-Plus-Programm‘(?) herunterzubeten.
Zwar weiß man, Quark wird durch Breittreten nicht besser, aber der Herr
Doktor, der sich schon zu Studentenzeiten auf die richtige Seite geschlagen
hat, muss weiter auf einen Popanz (die 68er) einschlagen, der schon lange
mausetot ist.
Albert Wunsch leidet offensichtlich: „Während der Sinn des Lebens früher
noch darin bestand, das Leben gut(?) zu meistern, bietet sich heute Spaß
als Lebensziel an.“ Verräterisch ist seine Sprache: Wer sind denn die
Anbieter? Die Veranstalter des gesellschaftlichen Spaßes sind die großen
Absahner; Mode- und Medienkonzerne, Musik- und Eventindustrie etc. , die mit
ihren Ersatzbefriedigungen ständig für die Angebote und den Drang
nach mehr sorgen. Da wirkliche Befriedigung nicht eintreten kann, muss die
Jagd nach Surrogaten immer weitergehen. Da waren die vielgescholtenen 68er
schon weiter mit ihrer Analyse, z.B. mit dem Begriff von der „Bewußtseinsindustrie“und
ihrer praktischen Funktionsweise.
Mit seinen Feststellungen bleibt A. Wunsch auf der Ebene der Erscheinungen.
Anstatt die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, die Manipulationsmechanismen
und –strategien zu durchschauen und zu bekämpfen, entwirft er nur eine
weitere: seine Theorie von der „eigenständigen Persönlichkeit“,
die jedoch in der Praxis der kapitalistischen Produktions- und Warenwelt nicht
funktionieren kann. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ (Adorno).
(alle Zitate aus Westdeutsche Zeitung v. 5.4.03)
„Abschied von der Spaßpädagogik“, Kösel-Verlag, 17,95 .
HPJ