Fischer fest an der Seite der USA

Der ehemalige Streetfighter rüstet zum vielleicht letzten Male zum letzten gefecht als Wahlkampfmatador. Man munkelt sogar, dass er bei einem schlechten Abschneiden seiner Partei bei den Bundestagswahlen im September den Parteiladen Richtung SPD verlässt, um seinen geliebten Außenministerposten nicht verlassen zu müssen.
Es ist traditionell so, dass der Mann (oder die Frau - hat`s aber hierzulande noch nicht gegeben) im Außenministeramt unter seinen Ministerkollegen am besten abschneidet. Einfacher Grund: von Amts wegen zur Diplomatensprache verpflichtet und deren geschliffenen Worte kommen in der Regel beim Publikum gut an.
Das weiß auch Gerhard Schröder, dem auch klar ist, wie unverzichtbar für ihn Joseph Fischer ist, gleichzeitig will er aber auch deutlich machen, wer der "Koch" und wer der "Kellner" ist.
So trägt sich Schröder und seine Berater mit dem Gedanken, den Europa-Bereich gegen Fischers Willen aus dem Außenamt auszugliedern.
Fischer selbst setzt ab und an "Duftmarken" in Form von angeleierten Konferenzen (Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg) oder durch konzeptionelle Vorschläge. Er hält den dabei abgesonderten Duft wohl selbst für Wohlgeruch, doch bei näherer Betrachtung ist es entweder "alter Wein in neuen Schläuchen" (Europa-Konzept) oder es sind Stinkbomben gegen die Reste der Linken in diesem Lande. So kürzlich auf einer Veranstaltung in Berlin (Gesprächsreihe der Schaubühne, Heinrich-Böll-Gesellschaft und Süddeutscher Zeitung). Dort diskutierten mit Fischer u. a. Mathias Greffrath und Caroline Fetscher.
Schon das Ansprechen des jüngst erschienen Buches von Michael Hardt/Antonio Negri "Empire. Die neue Weltordnung" löst bei Fischer Ekel aus: "Mir sträubt sich das Gefieder, wenn ich ‚Empire' bloß höre!" (SZ 4.6.02). Dies ist der Auftakt für eine vehemente Verteidigung der aktuellen US-Politik. Die verbliebene Supermacht, die auf lange Sicht diese Rolle unangefochten ausfüllen wird, ist dafür bekannt, nicht nur im Nahen und Mittleren Osten einerseits den Brandstifter und anderseits den Feuerwehrmann zu spielen. Beispiel: Instrumentalisierung und Ausbildung islamistischer Terroristen ("Freiheitskämpfer" genannt) und gleichzeitig oder später Aufbau einer Antiterrorfront gegen die früheren Mitstreiter, Krieg inbegriffen.
Dieser Brandstifter, der seit Jahrzehnten weltweiter Waffenausrüster Nr. 1 ist, soll nun nach Fischer die "Rüstungsspirale im Nahen Osten stoppen". Dass Fischer bei der derzeitigen US-Politik keinerlei "imperiales Ausgreifen" feststellen kann, versteht sich von selbst.
Aber auch in der Sozialpolitik fühlt sich Fischer zu Hause und gibt "der Linken" eine Belehrung: Er macht sich schwer Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit Europas und empfiehlt, das angeblich "hohe Maß an sozialer Sicherung" kurzfristig(?) eben der Konkurrenz zu opfern.
Fischer zeigt auch im weiteren Verlauf des Gesprächs, dass es ihm immer noch gelingt, mit rhetorischen Volten und Ranschmeißereien "als guter Linker glaube ich an die kraft des Widerspruchs und die Dialektik" (a.a.O.) zu punkten und Eindruck zu schinden. Man wird weiter mit ihm rechnen müssen.
HPJ
Literatur-Tipp: Michael Hardt/Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung, Campus-Verlag, Ffm. 2002, 461 S., 35,90  

www.neusser-monat.de (10.6.2002)