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Die Stadt Düsseldorf hatte die Ehre, vom 30. November bis zum 1.
Dezember die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) im Marie-Curie-Gymnasium
zu ihrem 16. Parteitag begrüßen zu dürfen. Bis auf wenige
Insider hatte kaum jemand von diesem Event Kenntnis genommen, zumal selbst
die Mitglieder dieser Partei lieber als PDS-Streiter in der Öffentlichkeit
daherkommen, um ihren vom Klassenfeind aufgedrückten Makel als ehemals
Fünfte Kolonne eines untergegangenen Regimes zu vertuschen.
Die Stimmung der letzten Aufrechten scheint nicht die beste gewesen zu sein.
Jedenfalls befürchtete Klaus Wagener in seinem Parteitagskommentar in
der Jungen Welt vom 2.12. fatalistisch das nahe biologische Ende der Partei
wegen Überalterung.
Trotz allem gebe es einen Hoffnungsschimmer am Horizont, denn die "Brutalität
des neoliberalen Roll-Back und des neokolonialen Interventionismus hat die
Notwendigkeit der organisierten Gegenwehr überdeutlich werden lassen."
(ebd.)
Die kommunistische Plattform auf dem Neusser Monat hat es sich nehmen lassen,
mit einer (nachträglichen) Grußadresse an den 16. Parteitag, den
Genossen zu der für die Deutschen Kommunisten günstigen Weltlage
zu gratulieren.
Ein Ladenhüter namens antimonopolistische Demokratie
Mit Freude nahmen wir die Initiative der Deutschen Kommunisten zur Kenntnis,
mit einem neuen Programm sich auf die aktuelle Weltlage einzustellen. Neugierig
studierten wir den vom Parteitag noch nicht verabschiedeten Programmentwurf
und wollen der Aufforderung nachkommen, "den produktiven Wettstreit von
Ideen und Weltanschauungen zu fördern". (Programmentwurf - auch
alle folgenden Zitate)
Ein schauerliches Bild zeichnen die Deutschen Kommunisten von der gegenwärtigen
Weltlage. Die Lage in der Welt habe sich "dramatisch verschärft".
Ihr sprecht von der "größten Herausforderung um die Existenz
der Menschheit" Ihr glaubt, die "natürlichen Existenzbedingungen
des Menschen (seien) bedroht" aber kennt "die zu lösenden dringendsten
Aufgaben", wenn "die Menschheit überleben will".
Zwar erinnern diese Sprüche eher an Weltuntergangsphantasien mit Erlösungsanspruch
religiöser Fanatiker als an handfeste kommunistische Agitation, die auf
Klassenkampf zur Durchsetzung von Interessen setzt. Trotzdem wollen wir die
Argumentationslinie des Programmentwurfes nachzeichnen, um die merkwürdig
anmutenden Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zu verstehen.
Nach eurer Auffassung haben die "transnationalen Konzerne" die Regie
in der Welt übernommen. Sie "eignen sich Funktionen und Züge
von Souveränität an, die bisher nur Nationalstaaten eigen waren."
Außerdem "üben (sie) eine eiserne Kontrolle über die
Weltwirtschaft aus".
Das hat Konsequenzen für die Nationalstaaten, die jetzt ihrem ureigentlichen
menschenfreundlichen Auftrag nicht mehr nachkommen können. "In dem
Maße wie die Nationalstaaten die Globalisierung im Interesse der transnationalen
Konzerne vorantreiben, unterhöhlen sie ihre (eigene - d. Verf.) Regulierungsfähigkeit.
... Auf diese Weise verliert der bürgerliche Staat tendenziell seine
Fähigkeit zur sozialen und politischen Vermittlung; die bürgerliche
Demokratie verliert ihren Inhalt." Was unter dem "bisherigen Regulierungsmodell"
zu verstehen ist, wird später erläutert: "Es war gekennzeichnet
durch das Bemühen um Integration der Arbeiterklasse und Erhalt des ‚sozialen
Friedens', durch Steigerung der Reallöhne und Entwicklung der Kaufkraft,
durch Abfederung sozialer Risiken für große Teile der Bevölkerung,
durch Entschärfung der Klassenkonflikte mit Hilfe der Ideologie der ‚Sozialpartnerschaft'."
Das ist nun vorbei, denn an "die Stelle des ‚sozialen Kompromisses' treten
soziale Polarisierung und Konfrontation".
Das ist gelogen, denn kein moderner Staat wird auf die für die Akkumulation
des Kapitals förderliche Integration der Arbeiterklasse verzichten. Nur
zeigt moderne Sozialpolitik eben deutlich, dass ihr Anliegen nicht das Wohlergehen
des Lohnarbeiters war und ist.
Für die Deutschen Kommunisten ist aber die Konstruktion dieses Gegensatzes
wichtig zum Verständnis ihres Modells von der "antimonopolistischen
Demokratie".
Denn eure Schlussfolgerung lautet: "Immer deutlicher wird, dass der Kapitalismus
keine Zukunft bringt und keine hat. Offensichtlich ist seine Unfähigkeit,
die ihm innewohnenden Widersprüche zu lösen."
Jetzt hat die Stunde der Deutschen Kommunisten geschlagen, denn "im Interesse
der Erhaltung und des Fortschritts der Menschlichen Gesellschaft (ist) die
Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus erforderlich geworden".
Und ihr bietet auch ein Handlungskonzept an: "Ohne Maßnahmen gegen
die transnationalen Konzerne, gegen das Großkapital wird eine Umverteilung
des Reichtums von Oben nach Unten, von den privaten Supervermögen in
die öffentlichen Haushalte, von den entwickelten imperialistischen Staaten
zu den Menschen, die in anderen Regionen Not leiden, nicht möglich sein.
... Der Besitz an den wichtigsten Produktionsmitteln muss in gesellschaftliches
Eigentum überführt werden - die private Aneignung des gesellschaftlich
erzeugten Reichtums aufgehoben werden. Die Finanzinstitute müssen verstaatlicht
werden. Das heißt, die gesamte ökonomische Basis erhält eine
neue Verfassung, durch die sie der Macht privater Interessen entzogen wird."
Nun ist der Boden bereitet, auf dem "die Ideen des Humanismus und der
Aufklärung" reale Gestalt annehmen, "Frieden, Solidarität
und Verantwortung für die Zukunft" gedeihen, "soziale Menschenrechte",
"Chancengleichheit" und "Gleichberechtigung der Geschlechter"
verwirklicht werden können.
Also die ganze Palette bürgerlicher Ideale, mit denen die von den Deutschen
Kommunisten zum Teil richtig beschriebenen Verhältnisse im Kapitalismus
beschönigt werden bzw. ihren ideellen Ausdruck bekommen.
Die Deutschen Kommunisten sind fasziniert vom bürgerlichen Gemeinwesen,
vom Sozialstaat - wenn er nur nicht vom Monopolkapital in den Würgegriff
genommen wäre. Ihr wollt einen volksnützlichen Staat, der im Besitz
der Produktivkräfte die "antimonopolistischen" Kräfte
betreut und versorgt. Und das sind alle Menschen mit Ausnahme der paar Figuren,
die sich hinter dem abstrakten, bösen "transnationalen Kapital"
verstecken.
Hier schließt sich der Kreis. Aus "Kommunisten", die die ungerechte
Verteilung des Reichtums in der Welt beklagen, werden hochmoralische Staatsmänner/frauen,
die die Menschheit beglücken wollen.
Warum sich Untertanen mit einer antimonopolistischen Demokratie à la
DKP nicht zufrieden gaben und geben können - und das hat nicht unbedingt
was mit antikommunistischer Verblendung zu tun - davon handelt der folgende
Artikel.
Ein Unding namens sozialistische Warenproduktion
Eine seltsame Form des Internationalismus