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Militärstrategie des US-Imperialismus
"fähigkeitsorientierte statt bedrohungsorientierte
Strategie"
Entschlossenheit gegen das Böse in der Welt hat der heutige Präsident
der Vereinigten Staaten schon in seinem Wahlkampf vor knapp zwei Jahren angekündigt.
Da kam der Anschlag vom 11. September wie gerufen, um der Notwendigkeit der
strategischen Neuorientierung mit Worten, Bildern und Taten Futter zu geben.
Bush's Kriegsminister erklärte am 31.1.2002 an der National Defense University
die entscheidende Veränderung in der zukünftigen Kriegsstrategie:
"To prepare for the future, we also decided to move away from the so-called
threat-based strategy that had dominated our country's defense planning for
nearly a half-century and adopt what we characterized as a capability-based
strategy, one that focuses less on who might threaten us or where we might
be threatened, and more on how we might be threatened and what we need to
do to deter and defend against such threats." 1)
(http://www.defenselink.mil/speeches/2002/s20020131-secdef.html)
Nicht mehr die tatsächliche Bedrohung seitens Staaten mit konkurrierenden
Interessen bestimmt die Begutachtung und Behandlung durch das US-Militär,
sondern allein die Existenz von Waffen, die von anderen Nationen und Nationalisten
gegen Amerika gebraucht werden könnten. Damit haben sich einerseits die
USA freigemacht von der Notwendigkeit der Feststellung einer tatsächlichen
Feindschaft - wie noch zu Zeiten des Kalten Krieges - und andererseits sich
die Freiheit gegeben, den Rest der Welt als mögliche Gefahrenquelle zu
paralysieren.
In diesem Zusammenhang feiert eine schon fast totgeglaubte Massenvernichtungswaffe
fröhliche Urstände. Die Atombombe, die noch vor über 10 Jahren
in der westlichen wie östlichen Ideologie eher als Kriegsverhinderungswaffe
galt, soll jetzt offensiv im Kampf für die Freiheit Amerikas überall
in der Welt eingesetzt werden: "Based on current projections, an operationally
deployed force of 1700-2200 strategic nuclear warheads by 2012 ...will support
U.S. deterrence policy to hold at risk what opponents value, including their
instruments of political control and military power, and to deny opponents
their war aims. The types of targets to be held at risk for deterrence purposes
include leadership and military capabilities, particularly WMD, military command
facilities and other centers of control and infrastructure that support military
forces." 2) Nuclear Posture Review,
Submitted to Congress on 31 December 2001. 8 January 2002
(http://www.globalsecurity.org/wmd/library/policy/dod/npr.htm)
In seiner Gedenkrede sechs Monate nach dem Anschlag auf das WTC sprach G.W.
Bush seinen Gegnern hingegen kategorisch das Recht auf den Besitz derartiger
Waffen ab: "Men with no respect for life must never be allowed to control
the ultimate instruments of death." 3)
(http://www.zeit.de/reden/Weltpolitik/bush_
gedenken_200212.html)
(http://www.white
hou se.gov/news/releases/2002/03/20020311-1.html)
Auch zeigt die veränderte Strategie Auswirkungen auf das Verhältnis
der USA zu seinen Verbündeten. Dass sich die NATO-Partner ebenfalls dem
Alleinanspruch auf Weltherrschaft der USA unterzuordnen haben, wird derzeit
in der Vorbereitung des Irak-Krieges durchgespielt. In der schon oben zitierten
Rumsfeld-Rede heißt es so: "Fourth, wars can benefit from coalitions
of the willing, to be sure. But they should not be fought by committee. The
mission must determine the coalition, and the coalition must not determine
the mission. If it does, the mission will be dumbed down to the lowest common
denominator, and we can't afford that." 4)
Mit dem Rückgriff auf den Ausdruck "war by Committee" spielt
Rumsfeld auf den NATO-Krieg gegen Jugoslawien an. Hier hat den Amerikanern
überhaupt nicht gefallen, dass sie sich immer wieder mit den europäischen
Bündnispartner über das strategische und taktische Vorgehen absprechen
und einigen mussten. Das soll sich in Zukunft nicht mehr wiederholen.
Nachtrag:
Als vor wenigen Tagen der Irak dem uneingeschränkten Zugang der Waffeninspektoren
der UN zustimmte, schienen die Regierungsvertreter der USA einigermaßen
überrascht und taten das Angebot Saddams als üblen Trick ab. Es
ist eben das erklärte Ziel der USA, mögliche Widersacher auf weltpolitischer
Ebene auszurotten und nicht sich mit ihnen an den Verhandlungstisch zu setzen.
Dafür verfassten die Schreiberlinge des Präsidenten extra eine 33-seitige
Schrift, in der sie zwar nichts Neues, dafür aber in komprimierter Form
der Welt kundtun, womit in Zukunft Freunde und Feinde der USA zu rechnen haben.
( http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.pdf)
Als kurz vor der Wahl die Bundesjustizministerin, Däubler-Gmelin, und
ihr Kanzler wegen des blöden Bush-Hitler-Vergleichs (Denn 1. ist Bush
ein echter Winner-Typ und nicht so ein Looser wie der Führer, und 2.
wollten weder Hitler noch Bush durch ihre Krieg von irgendwelchen wirtschaftlichen
Problemen ablenken. Vielmehr ist die militärische Überlegenheit
die Bedingung, um über weltweite Geschäftsbedingungen bestimmen
zu können.) aus den Staaten von höchster Stelle die Abmahnung bekamen,
wusste die deutsche Führung sofort, wo der Hase lang läuft. Die
Ministerin wurde abserviert.
So sieht die neue Militärstrategie auf diplomatischer Ebene aus.
1) Um uns auf die Zukunft vorzubereiten, haben wir ebenfalls beschlossen, die sogenannte bedrohungsorientierte Strategie, die die Verteidigungsplanung für nahezu ein halbes Jahrhundert bestimmt hat, aufzugeben und zur fähigkeitsorientierten Strategie überzugehen, die weniger jemanden ins Visier nimmt, der uns bedrohen könnte, oder einen Ort, an dem wir angegriffen werden könnten, und mehr darauf bezogen ist, wie wir möglicherweise angegriffen werden könnten und was wir tun müssen, um abzuschrecken und uns gegen solche Drohungen zu verteidigen.
2) Auf der Grundlage unserer aktuellen Planung ist eine einsatzbereite Streitmacht von 1700 - 2200 strategischen nuklearen Sprengköpfen im Jahre 2012 ausreichend (...); sie wird eine amerikanische Abschreckungspolitik gewährleisten, die all das einem Risiko (der Vernichtung, d.V.) aussetzt, worauf die Gegner Wert legen, inklusive deren Mittel der politischen Kontrolle und der militärischen Macht, und die einem Gegner das Erreichen seiner Kriegsziele verwehrt. Die Zielobjekte, die wir zwecks Abschreckung einer dauerhaften Bedrohung aussetzen müssen, umfassen die politische Führung und die militärischen Fähigkeiten, insbesondere Massenvernichtungswaffen, militärische Kommandozentralen und andere Zentren der Kontrolle und Infrastruktur, die der Unterstützung von Streitkräften dienen.
3) Menschen ohne Achtung vor dem Leben darf nie erlaubt werden, die ultimativen Werkzeuge des Todes zu kontrollieren.
4) Viertens können Kriege sicherlich
von Bündnissen mit denjenigen profitieren, die sich am Krieg beteiligen
wollen. Aber sie sollten nicht von einem Komitee geführt werden. Die
Mission muss die Koalition bestimmen und nicht umgekehrt das Bündnis
den militärischen Auftrag. In diesem Falle würden die Kriegsziele
auf den kleinsten gemeinsamen Nenner begrenzt, und das können wir uns
nicht leisten.